Nominalzins und Effektivzins
Zwei Konten mit 6 % Zinsen können unterschiedlich viel bringen. Wie die Zinsgutschrift einen Nominalzins zum Effektivzins macht und warum das bei Krediten mehr zählt.
Zwei Zahlen für einen Zinssatz
Ein Zinssatz wird fast immer pro Jahr angegeben, doch Zinsen werden oft häufiger als einmal im Jahr gutgeschrieben — vierteljährlich, monatlich oder täglich. Dann bringt jede Gutschrift schon vor Jahresende eigene Zinsen, und das Jahr endet etwas höher, als der angegebene Satz vermuten lässt.
Damit gibt es zwei Arten, denselben Satz anzugeben. Der Nominalzins ist der Jahreswert vor dem Zinseszinseffekt: 6 % im Jahr mit monatlicher Gutschrift bedeuten 0,5 % pro Monat. Der Effektivzins ist das, was sich daraus über ein ganzes Jahr tatsächlich ergibt, wenn der Zinseszins mitgerechnet wird.
Die Bezeichnungen unterscheiden sich. Kreditangebote in Deutschland und Österreich nennen neben dem Sollzinssatz, einem nominalen Satz, den effektiven Jahreszins. Er rechnet außer dem Zinseszins auch die meisten Kosten des Kredits ein und kann deshalb höher liegen als der reine Effektivzins. In den USA werben Sparkonten mit einer APY, die den Zinseszins enthält, während Kredite und Kreditkarten eine APR nennen, die ihn in der Regel nicht enthält.
Die Umrechnung
Bei einem Nominalzins r, der n-mal im Jahr gutgeschrieben wird:
Effektivzins = (1 + r ÷ n)n − 1
Für 6 % mit monatlicher Gutschrift: 1,005 zwölfmal mit sich selbst multipliziert ergibt 1,06168, der Effektivzins beträgt also 6,168 %. Je häufiger Zinsen gutgeschrieben werden, desto höher der Effektivzins — aber jeder weitere Schritt bringt weniger als der vorherige.
Wie viel die Häufigkeit ausmacht
Hier ist derselbe Nominalzins von 6 % bei jeder Zinsperiode des Rechners, mit einem Startbetrag von 5.000 €, der zehn Jahre liegen bleibt.
| Zinsgutschrift | Effektivzins | Nach 10 Jahren |
|---|---|---|
| Einmal im Jahr | 6,000 % | 8.954 € |
| Vierteljährlich | 6,136 % | 9.070 € |
| Monatlich | 6,168 % | 9.097 € |
| Täglich | 6,183 % | 9.110 € |
Der Wechsel von einmal im Jahr zu täglich bringt über das Jahrzehnt 156 € mehr. Das ist echtes Geld, aber vergleichen Sie es mit einem Prozentpunkt beim Zinssatz: Derselbe Betrag bei 7 % mit jährlicher Gutschrift liegt am Ende 882 € vor 6 %, mehr als fünfmal so viel. Beim Vergleich von Sparkonten zählt der Zinssatz weit mehr als die Häufigkeit der Gutschrift.
Bei Krediten ist der Abstand größer
Der Unterschied zwischen Nominal- und Effektivzins wächst mit dem Satz. Bei 12 % mit monatlicher Verzinsung beträgt der Effektivzins 12,68 %. Bei 20 % — ein übliches Niveau für Kreditkarten — sind es 21,94 %. Eine Karte mit 20 % Zinsen kostet auf einen nicht zurückgezahlten Saldo fast 22 % im Jahr.
Deshalb ist bei Krediten der effektive Wert der, auf den es ankommt. Das ist auch der Grund, warum Schulden, die von Monat zu Monat mitgeschleppt werden, schneller wachsen, als die meisten erwarten — der Ratgeber Wie Schulden durch den Zinseszins wachsen rechnet das im Detail durch.
Gleiches mit Gleichem vergleichen
- Vergleichen Sie Effektivzinsen mit Effektivzinsen, nie einen Effektivzins mit einem Nominalzins.
- Wenn zwei Angebote beide Nominalzinsen nennen, prüfen Sie, wie oft jedes Zinsen gutschreibt, bevor Sie entscheiden, welches höher ist.
- Bei Krediten liegt der effektive Jahreszins näher an den tatsächlichen jährlichen Kosten, weil er Gebühren enthält.
Der Rechner arbeitet mit einem Nominalzins und lässt Sie die Zinsperiode wählen, sodass Sie die Wirkung direkt sehen. Bei täglicher Verzinsung rechnet er den Satz in einen entsprechenden Monatszins um, da Einzahlungen monatlich erfolgen.
Die Zahlen hier sind Rechnungen mit einem festen Zinssatz. Echte Konten und Kredite können ihre Sätze ändern, und nichts hier ist eine Finanzberatung.